Sonntag, 9.1.2005

Der Block läuft soweit normal. Fabienne leidet unter den schon bekannten Stimmungsschwankungen, will immer beschäftigt werden und weiß nie, was sie will. Wenig kann man ihr recht machen.

Als würde das nicht schon genug an den Nerven zerren, kommt ein harter Schlag in die Magengrube aus einer Richtung, wo ich es nicht erwartet hätte: Bisher dachte ich, T. wär ein Freund. Noch im November zeigte er sich erleichtert, dass Fabienne so gute Fortschritte macht. Nun traf es sich dieser Tage, dass er auf einer Party war, wo Windpocken ausbrachen.

 

 

Bei uns warf das sofort die Frage auf, ob er und Fabiennes Patin (die auch dort war), die Windpocken schon hatten. Ich fragte in der Klinik nach Inkubationszeit und Ansteckungsmöglichkeit. T. wollte diese Frage nicht beantworten, redete um den heißen Brei. Ich versuchte ihm unseren Standpunkt zu erklären, zumal alle anderen Freunde sich der Gefahren von Infektionen bewußt sind und entsprechend handeln. Es war aussichtslos: Sowas gehört in seine Privatsphäre, nicht mal mit richterlicher Anordnung würde er uns sowas sagen. Verantwortungslos uns gegenüber zu sein, das ist nicht so schlimm, schlimmer wär Verantwortungslosigkeit gegenüber sich selbst. Und überhaupt sei Überbevölkerung eh nicht gut.....

Habe danach eine furchtbare Nacht hinter mich gebracht und mich gefragt, warum T. nicht von der Brücke springt oder sich vergiftet, um der Überbevölkerung entgegenzuwirken. Habe immer wieder die friedlich schlafende Fabienne angesehen und versucht, den tiefen Schmerz mit dem Bild des geliebten Kindes zu bekämpfen. Dieser Bruch wird nie zu kitten sein, selbst wenn T. Anstalten dazu machen würde.