Dienstag, 18.1.2005

Anruf aus der Tagesklinik: Fabienne wird Donnerstag operiert, morgen sollen wir uns auf der Kinderchirurgie einfinden. Ob ich dort bei Fabienne schlafen kann, ist nicht klar. Der Arzt bietet mir an, ein Bett auf der Onkologie in Beschlag zu nehmen, wenn in der Chirurgie getrennte Zimmer verlangt werden. Schon wegen dem nächtlichen Stillen würd ich ein gemeinsames Zimmer bevorzugen, abgesehen davon ist dort alles fremd für Fabienne ...

 

 

Das Telefonat ergibt klarere Bilder als je zuvor: Der Primärtumor sitzt nicht an, sondern in der rechten Nebenniere. Daher wird selbige bei der OP rückstandslos entfernt. Da Fabienne beide Nebennieren besitzt, sollte es lt. Arzt keine Probleme geben. Sie wird mit einer gut leben können. Und weil sie gerade einmal am operieren sind, entfernen die Chirurgen die Metastase im Brustbereich gleich mit, erklärt mir der Arzt. Metastase??? Bisher wurde das nur als Verhärtung beobachtet, von Metastase war nie die Rede. Beim neuen CT-Bild sah man wohl deutlich die Verkalkung, die auch den Primärtumor heimgesucht hat. Jetzt war die Diagnose eindeutig und daher wird die Metastase mit entfernt. Der Kopf bleibt nach wie vor als OP-Feld indiskutabel, weil sich dort alles im Knochenmark abspielt. Hier muß also die Chemo ihr Werk gut vollrichten. Noch zeigen die Szintibilder ja was an, aber was genau das ist, wurde noch nicht geklärt.

Der Arzt macht mir Mut, was meine Anwesenheit bei der Narkose betrifft. Das sei gemeinhin üblich, meint auch er. Diesmal werde ich mich jedenfalls nicht abspeisen lassen. Ich bleibe, bis Fabienne schläft. Und dann ist hoffentlich jemand da, der mir in der Wartezeit Gesellschaft leistet. Allein krieg ich die Krise. Ingo kann kein frei nehmen, es ist Prüfungszeit und die Vormittagsvorlesung kann er keinem anderen überlassen. Aber er versucht jemanden für mich zu organisieren. Als letztes bitte ich den Arzt, dass ich nach erfolgter Operation den Tumor sehen kann. Ich habe das Bedürfnis, zu sehen, was uns das Leben momentan so schwer macht. Bislang ist es abstrakt, dann wird es bildlich. Vielleicht kann ich anschließend mit einigem besser umgehen. Ich bekomme gesagt, dass das sicher möglich ist. Alles andere muß ich morgen auf der Kinderchirurgie abklären.