Mittwoch, 15.6.2005

Tagesklinik in der Mittagszeit. Fabienne macht gute Miene trotz Mangel an erholsamem Mittagssschlaf. Ein Urintest, Blutabnahmen und ein Sono (Ultraschall) stehen an. Soweit sind wir informiert.

Der Urin läßt trotz trockener Windel auf sich warten. Fabienne sitzt geduldig auf dem Topf und knabbert vergnügt einen Keks nach dem anderen, während die Schwester Blutproben zieht für Blutbild und Tumormarkerbestimmung. Das Pipi in den Topf klappt dann anschließend doch, so dass auch der Urin ins Labor kann. Das Sono geht glatt, ich bin überrascht. Ohne viel Warten und dank Lachgummis auch ohne Weinen. Rasch haben wir die Beurteilung: unauffällig. Heißt soviel wie "Kein Tumor zu sehen."

Zurück in der Klinik warten wir auf die ärztliche Untersuchung. Die kommt in Form eines bekannten vertrauten Arztes. Ich bin erleichtert, endlich jemand der sich mit uns auskennt, der uns kennt. Er hat sich verändert, ein bisschen von seiner lockeren Art ist verschwunden, was mich traurig stimmt. Fabienne zaubert ein wenig davon wieder hervor. Die unangenehme Überraschung folgt aber auf dem Fuße. "Heute fangen wir also mit der Retinoic-Therapie an." Wir machen was???? Da hat man wohl vergessen, mich zu informieren.

Ich sagte beim letzten Mal noch so, dass wir uns langsam einen Kopf machen müssen, wie ich die Retinsäure ins Kind bekomme - das das aber gleich terminlich festgemacht wurde, hat man mir dann nicht gesagt. Ich fühl mich überfahren, bin unvorbereitet und verwirrt, meine Gedanken überschlagen sich. Ich bekommen einen Therapieplan kopiert und ganz nett erklärt und den Hinweis, dass ich die Kapseln aufbrechen und den Inhalt in Milch oder Speiseeis einrühren kann. Heute Abend sollen wir anfangen, hoffentlich hat es eine Apotheke vorrätig ...

Und die nächste Überraschung folgt: Unsere Nachsorgeuntersuchungen sind mit dem heutigen Tage abgeschlossen. Mehr als Urin, Blut und Sono wird es nicht geben. Kein MRT, keine Szinti. Die Befunde waren laut Oberarzt beim letzten Mal in Ordnung. Ich weise auf den nicht ganz klaren schriftlichen Befund hin. Und lerne, dass die Aussage des Oberarztes gilt, egal was andere Ärzte mir erklärt haben. Und wenn der sagt, die Befunde sind ok, dann sind sie das.

Letzte Botschaft für heute war: Der Katheder bleibt drin. Bedingt durch die Retinsäure wird es einmal bis zweimal pro Woche eine Blutuntersuchung geben, die mehr Blut erfordert als es bei einem Blutbild der Fall ist. Mit einem "Fingerpieks" ist das nicht getan. Das bedeutet also spritzenweise Blut abnehmen und daher macht es Sinn, den Katheder zu lassen, der das ganze schmerzfrei macht. Ich sehe die Notwendigkeit ein, sehe aber auch die Hürden, das regelmäßige Pflegen, das komplizierte Baden, das Nicht-Baden in Pool und Schwimmbad, das wachsene Interesse von Fabienne an dem Schlauch ...