August 2010: Wieder einen Schritt weiter

17. August 2010

Die halbjährliche Untersuchung in der Klinik steht auf dem Plan. Wir haben den Termin vorgezogen, damit er noch in den Ferien liegt. Nächste Woche ist die Kämpferin ein Schulkind. Weil die anderen beiden Mädchen auch daheim sind, fährt der Papa mit zu den Untersuchungen, da er an dem Tag Spätschicht hat.

Der Sonotermin platzt wegen Mangel an Personal, aber die Klinik hat es nicht für nötig erachtet, anzurufen. Sattdessen hab ich den schwarzen Peter und telefoniere nach der Hiobsbotschaft drei Stunden durch die Gegend. Denn die Klinik schickt einen Überweisungsschein mit. Nur: es findet sich keiner, den den annimmt und seinen Job tut. Die radiologie in der Klinik in Wohnortnähe macht sowas nicht, verweist an die Kinderklinik. Die Kinderklinik macht sowas nicht, verweist an einen Kinderarzt, der sowas einmal die Woche in der Klinik anbietet. Der ist nicht zu erreichen, Öffnungszeiten nicht rausfindbar. Unserer Kinderärztin fällt noch eine Praxis in Potsdam ein. Die haben die Woche nix frei, machen aber keine Nachmittagstermine und ob sie Kinder machen - die Sprechstundenhilfe glaubt nicht dran, würde aber ggf. fragen. Verweist mich aber noch an eine andere Praxis, nachdem sie mir sagt, dass das Klinikum uns ohne Einweisung nur mit Überweisung auch ablehnen wird. In der letzten Praxis werde ich endlich angenommen. Nächste Woche, nachmittags, an Papas freiem Tag. Vier Stunden vorher nichts mehr essen und trinken und ein Handtuch mitbringen. Na, das kriegen wir knapp hin.

Die Klinikuntersuchungen des Tages sind bekannt: Fingerpiek und Urin. Die Kämpferin beweist inzwischen, dass sie ein Schulkind ist. Den Finger zum Stechen sucht sie allein aus, hält ihn tapfer hin und vergießt keine Träne. Der Bonbon anschließend ist mehr als verdient. Und selbst beim Urin sträubt sie sich nicht, so wie sie es sonst immer tat.

Der aktuell leitende Arzt der Tagesklinik ist ein alter Bekannter, der die Kämpferin mit "Brillenbärchen" anspricht. Dr. H. ist wieder auf der Onkologie und wie mein Mann mir das alles erzählt, hab ich Tränen in den Augen. Freudentränen. Ich hab den Mann schon auf Station gemocht. Und dass er sich noch an das Brillenbärchen erinnert, macht meine ohnehin blankliegenden Nerven völlig fertig. Irgendwie erschreckend, aber auch so schön!

Er hat dann auch gleich noch eine Überraschung parat: ab sofort nur noch halbjährliche Kontrolle, die dann aber eben in Berlin. Damit erfüllen sich zwei meiner Wünsche - wir sind ein Stück weiter und ich kann beide Termine passend in Ferienzeiten legen.

Nun steht erst einmal am Wochenende die Einschulung der Kämpferin an. Trotz Ranzen, Zuckertüte und Co. kommt mir das manchmal alles sehr unwirklich vor.