Sonntag, 17. Oktober 2004

Es ist Sonntag. Fabienne hat das ganze Wochenende schon schlechte Laune, krabbelt nicht mehr und weint, wenn sie gewickelt wird. Mein ungutes Bauchgefühl verstärkt sich mit jedem Blick aufs Kind. Dann entscheide ich kurzerhand, in die Klinik nach Potsdam zu fahren. Die Kinderärztin ist nett, vermutet Gliederschmerzen wegen des Schnupfens. Macht sich aber Sorgen wegen der Augenringe, die sie mir als Hämatome diagnostiziert. Aber wie kommt meine Tochter zu sowas? Der Augenarzt ist ratlos, die HNO-Ärztin auch. Es wird telefoniert, dann kommt eine Kinderchirurgin. Es wird für ein CT entschieden, Fabienne bekommt einen Zugang in die Hand gelegt. Sie soll fürs CT in Narkose, aber die Ärzte müssen warten - ich habe vor knapp einer Stunde erst Abendbrot gegeben, für die Narkose soll Fabienne nüchtern sein. Drei Stunden soll abgewartet werden.

Als der Arzt das Narkosemittel geben will, wehrt sich Fabienne. Ich habe ein drückendes Gefühl im Bauch. Dann wird Fabienne ruhiger, kichert und lacht den Mann an, der das CT fahren soll. Schlagartig ändern sich die Gesichtszüge, sie würgt, läuft blau an. Im Augenwinkel sehe ich den Arzt nach der Sauerstoffmaske greifen. Ich stehe direkt neben Fabienne und habe das Gefühl, neben mir zu stehen. Ich höre mich betteln, flehe Fabienne an bei mir zu bleiben. Die Rettungssanitäter kommen, ich muß weg von der Liege, bekomme nichts mehr mit.

Irgendwann wird das CT gefahren. Eine Schwester bringt mich nach oben auf die Kinderstation, ich darf Fabienne nicht sehen. Erst wenn sie angeschlossen ist. Ingo ist da und hält mich fest. Der Arzt kommt, erzählt was von schlechten Blutwerten und bittet um Einwilligung zur Bluttransfusion. Dann der Befund vom CT: Verdacht auf Hirnblutung, Anzeichen für äußere Einflüsse gibt es nicht. Also spontane Blutung, keiner weiß woher. Ein Telefonat mit einem Neurologen hat zur Folge, dass eine Verlegung nach Berlin ins Virchow-Klinikum organisiert wird. Derweil dürfen wir zu Fabienne, angeschlossen an Maschinen und Überwachungsgeräte. Aber sie darf über den Beatmungsschlauch schon Raumluft atmen, muß keinen reinen Sauerstoff bekommen. Es ist wohl auch weniger Erbrochenes in die Lunge gelaufen als befürchtet.

Die Verlegung erfolgt in der gleichen Nacht. Lange muß ich warten, bis man mich zu Fabienne auf die Station läßt. Nach viel Bangen und tausend Ängsten darf ich die Intensivstation der Kinderchirurgie betreten. Ich kann Fabienne sehen bzw. das, was von ihr zwischen Schläuchen und Kabeln zu sehen ist. Ich bekomme ein Elternzimmer, die Schwester zeigt mir, wo die elektrischen Milchpumpen stehen, denn mir schmerzt die Brust. Nach einem kläglichen Abpumpversuch habe ich eine schreckliche Nacht.