Montag, 18. Oktober 2004

Fabienne hat die Nacht überstanden, wird aber weiterhin unter Betäubungsmittel gehalten, damit sie sich nicht gegen die Schläuche wehrt. Sie bekommt vorsorglich Antibiotika gegen Meningitis, falls es eine sein sollte. Es wird ein EEG vor Ort gemacht, dann ein MRT irgendwo in der Klinik.

Ich darf Fabienne bis dorthin begleiten, aber nicht dabei bleiben. Es wird ein Kontrastmittel gespritzt, ich muß vor die Tür. Bekomme meinen ersten Zusammenbruch und sitze heulend auf dem Flur. Mir dauert das alles zu lange, die Schwestern nehmen mich mit zurück auf die Station, da die Untersuchung einige Zeit brauchen wird. Dann werden die Schlafmittel gedrosselt, Fabienne darf langsam wach werden. Sie wehrt sich wie erwartet gegen den Beatmungsschlauch, bringt die Überwachung ein ums andere mal zum Alarmpiep, weil sie mitatmet und daher Gegendruck erzeugt. Aber es dauert einige Zeit bis zur Entscheidung, den Tubus zu entfernen.

 

Derweil müssen neue Zugänge gelegt werden. Fabiennes Schmerz ist nur im Gesicht ablesbar, kein Ton kann über ihre Lippen kommen. Ein Fuß ist zu geschwollen für einen neuen Zugang, die Ärztin legt ihn in eine Kopfvene. Am Abend kommt der Tubus raus und hinterläßt im Bett ein heiseres weinendes Kind auf Entzug. Das Kind sieht aus wie unsere Tochter, aber sie klingt nicht so. Die Schwestern hoffen auf die beruhigende Wirkung der mütterlichen Nähe, aber Fabienne wehrt sich gegen das Liegen an Mamas Brust. Sie will in Ruhe gelassen werden.