Donnerstag, 21. Oktober 2004

Die Nacht ist eine einzige Katastrophe für mich: Es ist Fabiennes erste ohne jegliche Überwachung. Wir haben ein gemeinsames Zimmer, Einzelzimmer mit eigenem Bad. Ich hab mein Bett direkt neben Fabiennes geschoben und fasse immer wieder zu ihr rüber, ob sie noch atmet.

Um acht Uhr früh ist es soweit: Fabienne muß in den OP. Der Anästesist hatte mir noch gesagt, ich darf bei ihr bleiben, bis sie schläft. Das OP-Team sieht das anders und ich kriege Panik. Ich will mein Kind nicht mit diesen unbekannten grüngekleideten Leuten mitschicken. Fabienne weint, als ich sie aus dem Arm geben muß. Es tut so weh und ich begehre ein letztes Mal erfolglos auf. Zumindest kann ich durchsetzen, dass Fabienne Schnuller und ihren Schmusewichtel behalten darf, bis sie einschläft.

Dann beginnt für mich das Warten. Fabienne wird im OP einen Broviakkatheter gelegt und die Ärzte nehmen eine Knochenmarkspunktion an 5 Stellen vor. Alles komplikationslos. Zwei Stunden nachdem wir in den OP-Bereich gefahren sind, kommt Fabienne wieder auf Station zurück. Als feststeht, dass der Katheter funktioniert, wird der Zugang an der Hand entfernt. Fabienne kann sich nun frei bewegen, schläft nach der OP aber erstmal viel, soweit man sie läßt.

Wir müssen auch zum Hörtest. Der ist nicht durchführbar. Diagnose: Flüssigkeit hinterm Trommelfell. Uns wird geraten vor Therapiebeginn mit Nasentropfen zu behandeln, wenn die nicht helfen mit Antibiotikum. Und falls all das nix nützt, müßte operiert werden, um Paukenröhrchen zu legen. Die Ärztin entpuppt sich als Elefant im Porzellanladen und ich würde gern explodieren. Unhöflich, knapp in Worten, grob zum Kind und knallt mir das Wort "Chemotherapie" um die Ohren, dass sonst noch keiner in den Mund genommen hat.

Die Ärzte auf der Onkologie sehen die Angelegenheit nicht so eng, die Behandlung des Tumors hat Vorrang. Aufgrund interner Untersuchungen des Knochenmarks erhalten wir noch am Abend die Diagnose: Ja, es ist wie vermutet ein Neuroblastom. Der Haupttumor liegt an der rechten Nebenniere, im Kopf ist eine Metastase. Fabienne wird ab morgen Chemotherapie bekommen.