Freitag, 22. Oktober 2004

Fabienne hat sich verändert, sie ist nicht mehr das fröhliche Mädchen. Sie hat helle Momente, an denen sie unbedarft lacht, aber sie sind viel zu selten geworden. Sie ist mißtrauisch gegenüber allem Fremden.

Jetzt geht es los, der Tropf wird angeschlossen. Der Geräteständer macht mir Angst, aber ich weiß, wir haben keine andere Wahl. Ich komme mir vor wie in einem schlechten Traum. Und er wird noch schlechter, als der Oberarzt das vorläufige Ergebnis der Pathologie mitteilt: Neuroblastom Stadium 4 - das letzte Stadium, was es gibt in der Scala. Metastasierung im Knochenmark.

 

 

Der zukünftige Therapieplan sieht 6 Chemoblöcke vor, einen kurzen und einen langen im Wechsel. Danach gibts eine Rezidivbehandlung mit 4 Blöcken, dann ein Jahr Retinsäure. In meinem Kopf prügeln sich die Gedanken: Werden wir das seelisch heil durchstehen? Kommen wir finanziell klar? Wie geht es mit Ariane weiter, die bereits unter der Situation leidet? Wird unsere Beziehung diesen langen harten Kampf bestehen oder bleiben wir als Paar auf der Strecke?

Ich habe keine Ahnung, wie ich die folgenden Monate überstehen soll. Wie ich Fabienne Kraft geben kann, den wahrscheinlich härtesten Kampf in ihrem Leben zu bestreiten. Die Station hat ein gutes psychosoziales System, für das wir unendlich dankbar sind. Ohne sind wir aufgeschmissen. Was muß ich beantragen? Wo kann ich Gelder herbekommen? Wo Unterstützung anfragen? Wie organisiere ich mein Leben zwischen Klinik, Tagesklinik und zu Hause? Ehrlich aber unaufdringlich gehen die Sozialarbeiterin und die Psychologin mit uns um. Eine starke Hilfe in einer schweren Zeit!