Tagebuch

Donnerstag, 20.1.2005

Heute vor 14 Monaten wurde Fabienne geboren. Wie damals regnet es und es ist kalt. Ich werte das als gutes Zeichen. Von meiner Cousine erhalte ich eine SMS: "Schaut nach draußen, die Sonne lacht nicht. Sie denkt an euch wie ich."

Fabienne hat eine verzögerte Blutgerinnung. Zweimal bekam sie in der Nacht zusätzlich Blut abgenommen, um neue Tests zu machen. Ich hatte mir vorgenommen, sie um sieben Uhr zu wecken, zu waschen und einzuölen. Ihr ein Netzhemd anzuziehen und den Schlafanzug ... halb acht sollten wir in den OP-Bereich kommen. Die Planung setze ich nicht in die Tat um, noch haben die Ärzte nicht entschieden, ob sie trotz der Gerinnungsstörung operieren. Wir warten auf Abruf ... der kommt.

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Freitag, 21.1.2005

Mit zwiespältigen Gefühlen hab ich im Elternzimmer übernachtet. Mein Körper schrie regelrecht nach Schlaf und ich vertraute darauf, dass meine Instinkte mich zu Fabienne treiben würden, wenn was sein sollte. Die Schwestern wollten mich wecken, wenn Fabienne Hunger hat oder unruhig sei. Es kam keiner, die Nacht war ruhig. Richtig gut schlief ich nicht, aber der Körper hatte Ruhe.

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Samstag, 22.1.2005

Die Nacht war nicht sonderlich ruhig, Fabienne scheint vieles verarbeitet zu haben und war entsprechend unruhig. Die arme Maus tut mir so leid und gleichzeitig bewundere ich immer wieder die Kraft, die sie vorwärts treibt.

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Montag, 24.1.2005

Fabienne kommt nicht zur Ruhe: Kaum aus dem OP, schon kommt der nächste Block. Beginn ist heute. Wir nutzen die Gunst der Stunde, dass die Zytostatika noch nicht da sind, um den frisch gefallenen Schnee bei einem Spaziergang zu genießen.

Punkt zwölf ist es dann soweit und Fabienne wehrt sich erwartungsgemäß gegen das Anstöpseln. Immer wieder fuscht sie der Ärztin mit abwehrenden Händen in die Arbeit. Doch es führt kein Weg vorbei. Zwar akzeptiert Fabienne bald Tropfständer und das gewohnte Sicherungsgeschirr, aber diesmal zeigt sie auch immer und immer wieder auf den Ständer und schimpft.

Fabienne hat ein neues Wort gelernt, wie mir scheint. Es ist die Silbe "aua", die sie immer mal wieder zu Ausdruck bringt, wenn man Pflaster abmacht. Und weil das mit dem Laufen immer noch nicht klappen will, verlagert sie ihren nächsten Entwicklungsschritt in eine andere Ebene: Sie geht aufs Töpfchen, sie fordert es mit Gesten und Fingerzeig sogar vehement ein. Die Schwestern schütteln verwundert den Kopf, ich füge mich den Wünschen des Kindes und sie ist glücklich damit.

   

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